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Interview mit Beate Schneck, der Regisseurin und Initiatorin des Stadttheaters Blaubeuren
BLAUBEUREN. Das Stadttheater Blaubeuren bringt zusammen mit der Band „Jazzmichl“ mit „Lehrjahre“ gleich zwei Mal (23. und 24. Juli 2026) eine Bühnenfassung des SWR-Hörspiels von Felix Huby auf die diesjährige Sommerbühne am Blautopf. In seinem gleichnamigen Roman beschreibt der Erfolgsautor, bürgerlich Eberhard Hungerbühler (in Dettenhausen bei Tübingen geboren und aufgewachsen) wie sein Alter Ego Christian Ebinger in Blaubeuren als Lokalredakteur tätig war und wie er die Blautopfstadt zwischen Tradition und Aufbruch erlebt hat. Eberhard Fuhr hat mit Beate Schneck, der Regisseurin der Theaterinszenierung gesprochen. Alle Veranstaltungen der Sommerbühne finden auch in diesem Jahr im Klosterkirchensaal in Blaubeuren statt.
Was ist denn eigentlich das Stadttheater Blaubeuren? Seit wann gibt es dies? Wer wirkt und spielt mit?
Während meines Berufs als Sonderschullehrerin habe ich eine berufsbegleitende Ausbildung zur Theaterpädagogin gemacht und mit Schülerinnen und Schülern meist inklusive Theaterstücke erarbeitet. Schon damals dachte ich, es wäre schön eine Theatergruppe in Blaubeuren zu gründen. Passend zum Blaubeurer Stadtjubiläum 2017 wurde unser erstes Stück „Blaubeuren setzt sich in Szenen“ aufgeführt. Damals gab es im Januar 2017 im „Blaumännle“ einen Aufruf an Bürgerinnen und Bürger aus Blaubeuren, die gerne Theater spielen. So entstand unsere Gruppe. Der Kern dieser Gruppe ist bis heute dabei.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, die „Lehrjahre“ von Felix Huby auf die Bühne zu bringen? Was hat dieser Roman mit Blaubeuren zu tun?
Unsere Theatergruppe spielte bisher mittelalterliche Begebenheiten aus Blaubeuren. Als ich die Lehrjahre von Felix Huby gelesen habe, dachte ich mir, es wäre schön etwas aus der näheren Vergangenheit auf die Bühne zu bringen. In diesem Roman erzählt der Erfolgsautor über seine Zeit als Redakteur des „Blaumännle“ in den Jahren 1962 und 1963 in Blaubeuren. Im Roman beschreibt er Orte, Begegnungen und Freundschaften, sowie seine Erfahrungen. 2019 war Felix Huby für eine Lesung auf der Sommerbühne. Da habe ich ihn gefragt, ob wir seinen Roman für ein Theaterstück benützen dürfen. Er war begeistert und hat erzählt, dass es schon ein Hörspiel gibt, das könnte er für uns gerne umschreiben. Damals hatte ich aber das Stück „Der Schatz vom Rusenschloss“ geplant und wollte ihn danach kontaktieren. Corona verzögerte alles, und als ich im Juli 2022 einen Brief an ihn schrieb, ist er leider gerade verstorben. Deshalb nahm ich Kontakt zum SWR auf und erhielt von dort das Hörspiel mitsamt der Zusage es für unser Theater verwenden zu dürfen.
Können Sie den Inhalt des Stücks kurz skizzieren?
„Lehrjahre“ erzählt das Leben von Christian Ebinger in den Jahren 1962 bis 1963 als Redakteur vom Blaumännle, der Regionalzeitung von Blaubeuren, zugehörig zur schwäbischen Donauzeitung, der heutigen Südwestpresse in Ulm. Ihm, mit seinem rebellischen Geist, fällt es sichtlich schwer sich mit dem bürokratischen und sehr korrekten Bürgermeister auseinander zu setzen. Im Stück geht es um eine geplante Müllverbrennungsanlage und eine Demonstration dagegen (beides ist den Blaubeurern nicht bekannt noch irgendwo hinterlegt), sowie die Freundschaft mit dem Goldschmied Rudolf Dentler, der in dieser Zeit in Blaubeuren lebte, und dessen Bruder Theo, der im Buch eine eher untergeordnete Rolle spielt. Dieser gründete das „Theater in der Westentasche“ in der alten Neuapostolischen Kirche. Die „Lehrjahre“ erzählen von Begegnungen und Freundschaften mit Menschen, die in diesem Städtle Blaubeuren lebten und immer noch leben. Sture, ängstliche, großkotzige, aber auch hilfsbereite, bodenständige und weltoffene, manche etwas überdreht. Einiges ist autobiografisch, aber letztendlich ist es ein Roman, erzählt mit viel Fantasie und Emotionen.
Was sind die Herausforderungen, wenn aus einem Roman und einem Hörspiel dann ein Theaterstück werden soll?
Anfangs habe ich überlegt, ob ich die realen Ereignisse aus der Zeit dem Inhalt des Romans gegenüberstellen soll, mit Fakten aus der Zeit in Form von Zeitungslesern auf der Bühne. Als mir jedoch klar wurde, wie wenig der Roman den Fakten entspricht war klar, dass ich diese weglasse. Jetzt war wichtig zu erkennen was von den Inhalten des Buches verwertbar, spannend und unterhaltsam auf die Bühne gebracht werden kann. Ich habe das Theaterstück auch an unsere Schauspieltruppe angepasst, einzelnen Rollen umgeschrieben und Inhalte verändert. Im Februar 2026 hat die ganze Theatertruppe, die Goldschmiedewerkstatt von Ira Dentler in Ulm besucht. Sie und ihre Mutter haben uns viel über Rudi Dentler, eine wichtige Figur in unserem Stück, erzählt. Die Mutter, Frau von Rudi Dentler, konnte sich noch gut an Felix Huby erinnern und erzählte einige Begebenheiten mit ihm. Meistens war`s auch nur der Ausspruch mit einem Achselzucken „Des war halt dr Huby.“
Wie können wir uns die Entwicklung des Theaterstücks und die Proben vorstellen? Wie sind Sie da vorgegangen? Wann haben die Proben begonnen?
Wir treffen uns seit Mitte Januar 2026 jeden Donnerstag im Vortragsaal des URMU. Im Gegensatz zu den vier Stücken davor, haben die Schauspielerinnen die Rollen gleich zu Beginn der Proben bekommen. Es fehlte nur noch die Besetzung der Hauptrolle. Dafür konnten wir Maximilian Borowiec, einen jungen Mann aus Blaubeuren, gewinnen. Ein echter Glücksfall! Noch einen neuen Spieler gibt`s und eine 12-jährige Schülerin, die kleinere Rolle übernahmen.
In den ersten drei Proben war es wichtig, dass die Truppe zusammenfindet. Wir sind alle Leute mit einem komplett anderen Alltag als Theater, also sind Übungen zum gemeinsamen Spielen, zur Bühnenpräsenz, zum Sprechen und zu den jeweiligen Rollen wichtig. Der Hund Sherry, ein fester Begleiter von Christian Ebinger ab Szene 8, musste auch in die Gruppe integriert werden (ein Bettvorleger oder eine Marionette oder doch ein echter Hund?) sorgt während der Probe immer wieder für Lacher und ich hoffe auch beim Publikum.
Bei den Requisiten haben wir überlegt, welche unbedingt nötig sind und welche man weglassen kann. Eine im Stück unentbehrliche Standuhr wurde von Silke Kay meisterlich hergestellt. Eine altertümliche Schreibmaschine musste her, zwei Telefone aus der Zeit und noch ziemlich viele andere Dinge. Unerschöpflich ist die Bucksche Klausenmühle, wenn es um Requisiten geht. Spannend wird, wie wir die Probenarbeit auf die Bühne im Klosterkirchensaal übertragen werden.
Wie bei jedem unserer Stücke ist mir eine musikalische Umrahmung wichtig, um Szenen lebhafter zu gestalten oder Umbauphasen zu begleiten. Zur Demo gibt es einen neuen Demosong und einen Schlager aus den 60iger. Waren es bisher mittelalterliche Klänge, so ist es in diesem Stück der Jazz. Ich bin sehr froh darüber, dass Jazzmichl aus Blaubeuren zugesagt hat. Mit passenden Stücken bereichern sie den Theaterabend vortrefflich.
Worauf können sich die Besucherinnen und Besucher besonders freuen?
Nach langen Recherchen und vielen Überlegungen haben wir ein Theaterstück erarbeitet, das abwechslungsreich und lebendig die Geschichte von Eberhard Hungerbühler (Felix Huby) in Blaubeuren erzählt – ein Stück Blaubeurer Stadtgeschichte. Es lohnt sich!
Die Theateraufführungen finden am Donnerstag, 23. Juli 2026 und am Freitag, 24. Juli 2026 auf der Sommerbühne am Blautopf statt. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Bedingt durch die Baumaßnahmen am Blautopf finden alle Veranstaltungen im Klosterkirchensaal in Blaubeuren statt. Tickets gibt es im Onlineshop der Sommerbühne, bei den Tourist-Informationen in Blaubeuren und Ulm, sowie bei allen reservix-Vorverkaufsstellen. Die Spielzeit der Sommerbühne geht vom 10. Juli bis 2. August 2026.
Hier geht es direkt zum Ticketshop der Sommerbühne am Blautopf
Medien-Information vom 26.05.2026 – ef
Foto oben: Die Annonce von Frau Ölmüller (rechts: Dr. Barbara Anger) ist nicht im Blaumännle erschienen, jetzt hat Redakteur Ebinger (Maximilian Borowiec) ein Problem. (Foto: Marie Jürgens – Stadttheater Blaubeuren).
Es gibt keine Parkmöglichkeit direkt bei der Sommerbühne am Blautopf.
Bitte nutzen Sie die nahe gelegenen Parkplätze im Dodelweg in Richtung Kloster/Freibad. Von dort gelangen Sie zu Fuß in den Klosterhof.
Ab 18:00 Uhr ist das Parken in Blaubeuren kostenlos.

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